ÖRTCHEN

 

Ein Blog der von abertausenden von Lesern verfolgt wird, hat eine gewisse soziale Verantwortung und sollte eine ausgewogene Berichterstattung gewährleisten. In letzter Zeit lassen sich aber dennoch die unterschiedlichsten Blogger/Journalisten dazu hinreißen ohne jegliche tiefergehende Recherche Vorkommnisse für ein sechs- bis siebenstelliges Publikum bereitzustellen. Da möchten wir mit unserer einstelligen Leserschaft natürlich auch nicht hinten anstehen und jetzt mit fachkundigen Kommentaren als Spießer abgetan werden. Insofern nähern wir uns dem folgenden Thema ohne dazu jegliche empirische Statistik gelesen oder überhaupt mit jemand darüber gesprochen zu haben. Wir schließen einfach von uns selbst auf die ganze Menschheit und somit natürlich auch auf die Generation Y. So machen wir das ja sowieso.

Woher kommen die ganzen öffentlichen Aggressionen der letzten Monate? Warum wirkt ein beachtlicher Anteil der Menschheit so aufgekratzt und zum Äußersten bereit? Was hat sich in unserer täglichen Routine geändert? Warum kommen die Menschen nicht mehr zur Ruhe bzw. Besinnung?

Wir gehen in uns und versuchen dort die Lösung zur Rettung der Menschlichkeit zu finden, indem wir unsere eigenen Tagesabläufe scannen. Und da erscheint uns die Antwort auf alle Fragen vor dem inneren Auge, uns wurde der ruhigste Moment des Tages gestohlen. Dieser Moment, in dem wir Dinge tun, die wir nur mit uns selbst ausmachen möchten. Es sind Augenblicke der Stille und Erleichterung. Momente des Insichgehens. In besonders langen Meditationsphasen hat man maximal noch die Inhaltsstoffe des Haarshampoos im Regal neben sich studiert. Mehr war nicht. Nur man selbst, alleine, für mindestens 15 Minuten, wenn nicht sogar länger. Doch das stille Örtchen ist heutzutage keines falls mehr still. Mitunter haben Menschen Panikattacken, wenn ihnen kurz vorm Gang zur Toilette auffällt, dass der Akku des Smartphones fast leer ist. Was soll man bloß all die Zeit sitzend tun? An die Wand starren?

Spätestens jetzt sollte es allen vier Lesern dieses Artikels wie Schuppen von den Augen gefallen sein. Ganz klar warum von ISIS, über “Das-muss-man-doch-gesagt-werden-dürfen-Menschen” bis zu Donal Trump nur noch braunes Zeug am falschen Körperende hervorquillt. Die braune Masse kann nicht mehr meditativ abgebaut werden, weil unsere Smartphones und deren Zugang zum Internetz uns nicht mal an diesem Ort mehr Ruhe schenken. Zugegebenermaßen ist diese These etwas gewagt, aber in Zeiten der Flüchtlingskrise scheint ja jede These diskussionswürdig zu sein.

Deshalb sagen wir: Macht das Örtchen wieder Still für mehr Menschlichkeit auf der Welt! Die neue Challenge für das Jahr 2016 heißt deshalb “Kein-Smartphone-auf-dem-Lokus”-Challenge. Und falls du das gerade auf deiner Toilette gelesen hast…

Einfach mal abschalten!