SHARING IS CARING

 

Vor wenigen Wochen stand zur Debatte, ob ich vielleicht den schicken BMW meines Großvaters übernehmen möchte, "weil er ihn nun nicht mehr fahren würde". Das Auto ist sicherlich bestens gepflegt und würde auch so einiges hermachen und dennoch musste ich feststellen, dass ich überhaupt nicht wusste was ich mit einem eigenen Auto in dieser Größe anfangen sollte. Es wirkte irgendwie “unpraktisch" auf mich und dank DriveNow habe ich ja sowieso immer ein nettes Auto in der Nähe und zwar immer dann wenn ich es auch wirklich brauche. 

DriveNow und Airbnb scheinen also deshalb zu funktionieren, weil die Generation Y eben mehr Wert auf den Nutzen als auf das Besitzen legt. Auch mit einer CD-oder DVD-Sammlung lässt sich heute nur noch schwer jemand beeindrucken, was wiederum den Erfindern von Spotify und Netflix in die Hände spielt. 

Die Ursachen für diesen Wandel sind vermutlich vielseitig. Persönlich kann ich mich noch an meine Theorie aus der Jugend erinnern, dass manche Menschen (1) durch die vielen illegalen Downloads Inhalte im Gegenwert von vielen tausend Euro besitzen, aber sich irgendwie trotzdem nicht reicher fühlen. Um ehrlich zu sein war mir der Begriff “Besitz” im Anbetracht unser überschaubaren Haltbarkeit auf dem Planeten Erde sowieso immer etwas irreführend vorgekommen. 

Schwer zu sagen wie weitreichend sich diese neue Einstellung gegenüber Besitz auf unsere Gesellschaft auswirkt. Immerhin werden Kriege ja gerne mal geführt, weil sich jemand den Besitz des Nachbarn aneignen möchte. Bei Partnerschaften ist in Berlin durchaus auch “Sharing is Caring” angesagt, insofern darf man in 40-50 Jahren auf das erste Altersheim im KitKat-Club-Style gespannt sein. Wir würden uns das jedenfalls einmal anschauen… 

Insofern kommt es auch nicht sonderlich überraschend, dass wir auch mit unserem Generation Y Shop viel teilen. Unser Büro ist auch gleichzeitig ein Non-Profit Co-Working-Space, die Unterkünfte bei Geschäftsreisen sind entweder die Sofas von Freunden oder eben auch mal Airbnb Apartments (2) und unser Schuhlager teilen wir uns auch demnächst mit einem weiteren kleinen Startup. 

Im ersten Moment möchte man meinen keiner kann etwas gegen die neue Kultur des Teilens haben, aber gerade Firmen wie Uber oder AirBnB scheinen in kürzester Zeit nicht nur Freunde sondern vor allem auch einen Menge Feinde mit ihren Konzepten in den älteren Generationen gefunden zu haben. Die Hotel- und Taxi-Lobby laufen Sturm und setzen alles daran, dass beiden Unternehmen - sagen wir es mal so - nicht gerade der rote Teppich ausgelegt wird. Das häufig angewandte Argument, dass durch ihre Businesskonzepte ganze Branchen zerstört werden, hört man immer wieder. Aber ist der Backpacker, der statt Couchsurfing mal ein AirBnB-Zimmer bucht, tatsächlich ein potentieller Hotelgast? Oder der Student, der sich vielleicht mal ein wenig Luxus gönnen möchte, indem er nicht nachts um 4Uhr auf die U-Bahn wartet um nach Hause zu kommen und stattdessen mit seiner komplett überzogenen Kreditkarte ein Uber mietet? Oder erschliessen sich dadurch vor allem Möglichkeiten für ein Klientel, welches zuvor einfach nicht die Mittel gehabt hätte? Natürlich haben auch wir von verwüsteten Zimmern oder Sexparties in AirBnB Unterkünften gehört oder von (sogar tödlichen) Unfällen mit Uber Passagieren, die nicht versichert waren? Aber ist das nicht eher die Ausnahme als die Regel? Komplett unbegründet ist der Vorwurf vermutlich nicht, dass sich diese Unternehmen nicht an die hier geltenden Regeln halten… (3)

Was uns brennend interessiert: Wie siehst du deine Zukunft in der Shared Economy? Muss es doch irgendwann das Eigenheim und der Van sein oder werden wir mit 40 alle in Familien-WGs wohnen und uns zusammen einen VW-Bus teilen? Apropos: drei befreundete Familien von uns haben gerade ihre Eigenheime verkauft um sich ein Haus zusammen zu bauen um gemeinsam alt zu werden. Die guten Leute sind um die 60-70 Jahre alt… Wir sind gespannt auf deine Antwort in unserer Facebook-Gruppe (https://www.facebook.com/generationyshop).

1 Ich habe das nur von Bekannten von Freunden gehört, selbst habe ich noch nie so etwas wie einen illegalen Download gesehen und könnte das auch keinem meiner Freunde unterstellen.

2 Das Bild zum Blog-Eintrag entstand in der Nähe unseres Büros in Berlin. Kanibalismus at its best!

3 Hier noch ein paar nette Links zu dem Thema:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/share-economy-im-internet-die-generation-y-teilt-1.1556736

http://www.starting-up.de/geschaeftsideen/trends/shareconomy-trend.html

http://www.howcoolbrandsstayhot.com/2014/02/03/5-millennial-trends-for-2014-shareconomy-the-shortcut-society/

http://www.shareable.net/blog/gen-y-and-the-sharing-economy